Ölpreise orientieren sich nach oben

Bei den Ölpreisen ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Die OPEC+ setzt seine geplante Konferenz aus und der Corona-Crash am Ölmarkt jährt sich zum ersten Mal.

Die Ausgangslage für die Ölpreise am Montag präsentierte sich neutral. Die Normalisierung der Ölbestände und die mittel- sowie langfristig vielversprechenden Prognosen für die Nachfragesituation wirkten preisstützend. Demgegenüber steht immer noch eine kurzfristige Unsicherheit des Marktes aufgrund der bedenklichen Corona-Situation in Indien, Japan und Teilen Europas. Im Verlauf des Vormittags handelten die Ölpreise in einer relativ engen Spanne und wagten keine großen Preissprünge bis zum Nachmittag. Dann sorgte der schwache Dollar für einen merklichen Preissprung nach oben, gefolgt von einem leichten Abwärtspotenzial. Zum Ausklang des Tages holten Brent und WTI noch mal auf und gingen mit einem leichten Plus aus dem Handel.

Am Dienstagmorgen setzen die Ölpreise ihren Aufwärtstrend weiter fort und haben ihre Vortagshochs bereits überschritten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent handelt bei 67,67 Dollar, das sind +0,62 USD/B zum Schluss Montag. WTI macht ebenfalls an Boden gut und handelt aktuell bei 64,18 USD/B, +0,65 USD/B zum Vortagesschluss. Der bundesweite Heizölpreis in Deutschland zeigt sich zum Start in den Tag unverändert bei 65,80 Euro pro 100 Liter. Zum aktuellen Zeitpunkt werden Schwankungen von ca. ±0,00 bis +0,20 Euro/100 l für den Tag erwartet.

Libyens Ölproduktion fällt. OPEC+ sagt Sitzung ab

Die libysche Ölproduktion muss erstmals seit Monaten ein dickes Minus hinnehmen und fällt auf unter 1 Millionen B/T. Eine Force Majeure, verhängt von der National Oil Corporation (NOC), am Ölhafen in Harijan sorgte für diese Entwicklung am Montagabend. Grund dafür sind Diskrepanzen bei der Finanzierung der Ölanlagen zwischen der NOC und der libyschen Zentralbank. Diese hatte dem Ölsektor Berichten zufolge ursprünglich rund 1 Mrd. Dinar (knapp 184 Mio. Euro) an Subventionen zugesichert und bisher nur weniger als 2 % dieses Betrags geleistet. In Folge dessen mussten viele der maroden Anlagen ihre Produktion präventiv einstellen. Die NOC hatte ursprünglich eine Erhöhung der Fördermenge auf 1,45 Mio. B/T bis Jahresende und dann auf 1,6 Mio. B/T in den kommenden zwei Jahren geplant.

Das OPEC+-Bündnis hatte Anfang des Monats Lockerungen für die Produktionsmengen seiner Mitglieder im Mai beschlossen. Im kommenden Monat sollen gut +0,6 Millionen B/T plus die Aufhebung der Zusatzkürzungen für Saudi-Arabien wieder an den Markt gebracht werden. Offenbar scheint das Komitee mit dieser Planung nach wie vor zufrieden zu sein, da das ursprünglich am 28. April anberaumte Meeting zur weiteren Strategieerörterung gecancelt wurde. Demnach wollen sich die Mitglieder lediglich auf das JMMC-Meeting beschränken, das keine Entscheidungsgewalt besitzt, sondern lediglich Empfehlungen für den künftigen Kurs aussprechen kann.

Ein Jahr Corona-Crash – Markt erholt sich anhaltend

Der historische Preisrutsch am Ölmarkt jährt sich zum ersten Mal. Im vergangenen Jahr rutschten die Ölpreise aufgrund von Corona ins Bodenlose und verursachten einen regelrechten Corona-Crash des Ölmarktes. Erschwerend hinzu kam die Überschwemmung des Marktes mit Öl aus Saudi-Arabien. WTI rutschte zwischenzeitlich auf -37,63 Dollar. Erst die Förderkürzung OPEC rissen das Ruder herum.

Genau ein Jahr nach diesen historischen Ereignissen befindet sich der Ölmarkt immer noch in der Erholungsphase. Die Corona-Pandemie ist nach wie vor präsent und bestimmt das Tagesgeschäft immer wieder aufs Neue. Kurzfristig werden die Marktteilnehmer noch Geduld an den Tag legen müssen und vor allem die Corona-Situation in Europa, Indien und Japan anhaltend neu bewerten. Auf der Angebotsseite signalisiert die OPEC mit der Aussetzung ihres Meetings, dass der bisherige Kurs weiterhin Bestand haben soll, was die Preise zunächst weiterhin stützen sollte. Auch die Produktionskürzung Libyens trägt ihren Teil dazu bei.

Mittel- und längerfristig sind die Aussichten im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr jedoch deutlich rosiger. Mit fortschreitenden Impfkampagnen, der Erholung vieler Wirtschaften in Europa und Asien sowie die sukzessive Rückführung von Öl an den Markt durch die OPEC und andere ölfördernde Staaten prognostizieren Experten für die zweiten Jahreshälfte eine weitere Gesundung der Nachfrage und des gesamten Markgefüges, was ein florierendes Ölgeschäft zur Folge haben könnte.

Die mobene Unternehmensgruppe