Ölpreise warten auf nächsten Richtungsimpuls

Preissenkende und preistreibende Faktoren der Ölpreise neutralisieren sich aktuell. In die Verhandlung zu einem Atomabkommen kommt Bewegung und die amerikanische Wirtschaft beginnt sich zu erholen.

Die Ölpreise zeigten am Dienstagmorgen zunächst leicht fallende Tendenzen. Dazu trugen die Sondierungsgespräche zu einem Atomabkommen mit dem Iran, die überraschende Produktionsanhebung der OPEC+ ab Mai und steigende Corona-Infektionszahlen in Indien und Europa bei. Auftrieb erhielt der Preis hingegen durch die anhaltende Hoffnung in eine steigende Nachfrage in Verbindung mit positiven Konjunkturdaten aus den USA, China und auch Großbritannien sowie der Anhebung der Rohölpreise für Lieferungen aus Saudi-Arabien im Mai. Insgesamt neutralisierten sich preisdrückende und preistreibende Faktoren.

Durch die aktualisierte IWF-Wachstumsprognose, die das Wirtschaftswachstum des laufenden Jahres nach oben korrigierte, nahmen die Marktteilnehmer etwas mehr Geld in die Hand und die stieg leicht. Der Monatsbericht der EIA und die Zahlen des API ließen die Preise kurz vor Marktschluss noch mal nachgeben und sie pendelten sich knapp oberhalb des Tagestiefs ein. Am Mittwochmorgen reagieren die Ölpreise daher zunächst mit einer Orientierung nach oben und korrigieren somit die späten Verluste vom Vorabend. ICE Brent handelt bei 63,13 USD/B, das sind +0,39 Dollar zum Schluss Dienstag. WTI handelt knapp unter 60 USD/B bei 59,50 USD/B und macht damit rund +0,55% gut. Der durchschnittliche Bundesinlandspreis für Heizöl präsentiert sich am frühen Morgen beinahe unverändert mit 63,60 Euro/100 Liter (-0,1 %).

Erfolgreiches Erstgespräch zum Atomabkommen mit Iran

Die USA hatte in den vergangenen Tagen signalisiert, eine Rückkehr zum Atomabkommen mit dem Iran wieder in Betracht zu ziehen. Am gestrigen Dienstag nahm das Thema weiter Fahrt auf, als sich die sogenannte Joint Commission, bestehend aus Großbritannien, China, Frankreich, Deutschland, Russland und eben dem Iran virtuell zu ersten Sondierungsgesprächen zusammenfand. Nach dem Gespräch war zu vernehmen, dass erste Überlegungen konstruktiv waren und die bisher festgefahrene Situation etwas auflockern konnte. Die USA nahm nicht an der Sitzung teil. Direkte Verhandlungen mit der Biden-Regierung stehen daher noch aus.

Die USA plant das alte Abkommen aus 2015 um bestimmte Punkte, wie beispielsweise einen sofortigen Stopp der Terrorfinanzierung durch den Iran und weitere, nicht direkt mit dem Atomprogramm des Landes zusammenhängende Punkte in einen neuen Deal mit aufnehmen. Der Iran lehnte diese Forderungen bisher ab und ließ sich darüber hinaus nicht in die Karten schauen, zu wie vielen Zugeständnissen Teheran tatsächlich bereit sei, um eine Rückkehr zum Abkommen zu ermöglichen.

Ölnachfrage: USA sendet positive Signale. Marktlage bleibt unsicher

Für positive Stimmung in den USA sorgen aktuell gesunde Zahlen zur Ölnachfrage und vielversprechende Konjunkturdaten. Wirtschaftlich starke Bundesstaaten wie Texas und der BIP-König unter den Bundesstaaten Kalifornien kurbeln ihre Wirtschaft wieder ordentlich an. Während in Texas bereits seit letztem Monat kein Lockdown mehr herrscht und die Infektionszahlen stetig fallen, will Kalifornien seine Wirtschaft bis zum 15. Juni wieder vollständig geöffnet haben. Anhaltend gute Zahlen weisen auch Wirtschaftsriese China und auch das britische Königreich auf, das als eines der wenigen Länder Europas hinsichtlich Corona-Bekämpfung auf einem aufsteigenden Ast ist. Doch Großbritannien bildet in Europa eben nur die Ausnahme. Viele Länder orientieren sich aktuell wieder in Richtung Lockdown, darunter auch Deutschland. Weiter östlich in Indien verschlechtert sich die Lage noch drastischer. Diese beiden Brandherde in Kombination lassen die Marktlage aktuell daher noch unsicher erscheinen und bremsen einen Durchbruch bei der Nachfrageerholung merklich aus.

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