Oktober startet mit Rohölpreisen im Aufwärtstrend

Der bullishe Bestandsbericht des US-Energieministeriums und Streiks in Norwegen begünstigen am Morgen eine Aufwärtsbewegung an den Terminbörsen.

 

Pandemiebedingte Wirtschaftssorgen, die anhaltend schwache Ölnachfrage und die Aussicht auf Produktionssteigerungen ließen die Rohölpreise gestern mit Verlusten aus dem September gehen. Um drei bis fünf US-Dollar gaben die Referenzsorten WTI und Brent im Monatsverlauf nach. Auch nach dem Monatswechsel haben Anleger und Analysten die Entwicklung der internationalen Versorgungslage im Blick. Insbesondere die Produktionsstrategie der OPEC+ wird in den nächsten Monaten preisbestimmender Faktor sein. Im August haben die Produzenten ihren Output bereits hochgefahren, kürzen ihn um nur noch 7,7 Millionen Barrel pro Tag. Ab 2021 sind tägliche Kürzungen um nur noch 5,8 Millionen Barrel geplant. OPEC-Mitglied Libyen ist vom laufenden Kürzungsabkommen ausgenommen, plant daher unabhängige Produktionssteigerungen. Der Machtkampf zwischen der Regierung in Tripolis und der Libyan National Army hat den Betrieb der nationalen Ölindustrie in den vergangenen Monaten stark eingeschränkt. Nun gibt es erste Meldungen über eine Wiederaufnahme der Produktion an einzelnen Ölfeldern. Der Output wurde bereits auf 250.00 Barrel pro Tag gesteigert und damit in kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Umso gespannter blicken Marktteilnehmer auf die dieswöchigen Bestandsreports aus den USA.

Auch DOE meldet Abbauten bei US-Rohölvorräten

Trotz rückläufiger US-Rohölvorräte konnte der Wochenbericht des American Petroleum Institute (API) keinen richtungsweisenden Impuls setzen. Gestern Nachmittag zog das US-amerikanische Department of Energy (DOE) mit seinen Einschätzungen nach, meldete ebenfalls einen Rückgang der Rohölbestände sowie eine unerwartet geringe Zunahme der Benzinvorräte. Das API hatte am Dienstagabend gemeldet, die US-weiten Rohölvorräte seien um 800.000 Barrel verkleinert worden. Das DOE geht sogar von Abbauten um zwei Millionen Barrel aus. Auch die US-Bestände an Destillaten sind laut DOE zuletzt zurückgegangen, um 3,2 Millionen Barrel. Die Vorräte an Rohöl liegen demnach 13 Prozent über ihrem Fünfjahresdurchschnitt, während die Bestände an Destillaten die Referenzmarke um 21 Prozent überschreiten. Einzig die US-weiten Benzinvorräte befinden sich nach Einschätzung des DOE im Bereich ihres Fünfjahresdurchschnitts. In der Berichtswoche seien sie um 700.000 Barrel gewachsen und damit nicht so stark wie zuvor vom API geschätzt, das von einem Anstieg um 1,6 Millionen Barrel ausgegangen war. Angesichts der Abbauten bei Rohöl und Destillaten sowie nur geringfügigen Aufbauten bei Benzin wird der gestrige DOE-Report an den Terminbörsen vorwiegend bullish interpretiert.

Verhandlungen um US-Konjunkturpaket

Nachdem die Verhandlungen um ein weiteres US-Konjunkturpaket ins Stocken geraten sind, sind die Gespräche in dieser Woche wieder angelaufen. Zu Wochenbeginn haben die Demokraten ein Maßnahmenpaket im Umfang von 2,2 Billionen US-Dollar in den Raum gestellt. Die US-Regierung machte einen Gegenvorschlag und favorisiert Maßnahmen im Umfang von 1,5 Billionen US-Dollar. Aus dem Weißen Haus heißt es, man wolle unterhalb der Marke von zwei Billionen US-Dollar bleiben.

Rückläufige US-Ölvorräte, Fortschritte in den US-Konjunkturverhandlungen und der Start der Streiks in Norwegen stützen die Rohölpreise am Morgen. Dass in nächster Zeit bis zu eine Million Barrel pro Tag weniger Öl aus Norwegen kommen könnte, verteuert insbesondere die europäische Referenzsorte Brent. Sie wird am Morgen bei 42,04 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel des US-Rohöls WTI kostet 39,94 US-Dollar. Die Heizölpreise legen im Vergleich zum Vortag ebenfalls etwas zu. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 42,29 Euro.

 

 

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