OPEC+ hebt Produktion überraschend an

Die Ergebnisse der OPEC+-Konferenz sorgen für Verwunderung und lassen die Ölpreise zunächst steigen. Viele Faktoren beeinflussen die aktuelle Nachfrageerholung.

Eines der bestimmenden Themen der letzten Woche war die große OPEC+-Konferenz zur Beratung über die kurzfristige Produktionsstrategie des Bündnisses. Am 1. April tagten die größten ölexportierenden Staaten um Russland und Saudi-Arabien. Erst spät am Abend wurde dann bekannt, dass die Organisation ihre Produktion im Mai und darüber hinaus überraschend anheben wird. Mit einer Steigerung reagierten zunächst auch die Preise, da das Bündnis nachhaltig betonte, eine positive Tendenz der Ölnachfrage am Markt zu erkennen.

Der Aufwärtstrend konnte sich über das lange Osterwochenende jedoch nicht festigen. Die Corona-Lockdowns in Europa sowie Ankündigungen der USA, Sondierungsgespräche über ein neues Atomabkommen mit dem Iran zu führen, setzten die Ölpreise unter Druck und fingen den Schwung der OPEC+-Verkündung merklich ab. Die Ölpreise starten daher leicht schwächer, aber insgesamt unverändert in die Woche: ICE Brent handelt bei 62,66 Dollar, das sind +0,51 Dollar zum Schluss Montag. WTI handelt aktuell bei 59,3 USD/B und verliert -0,8 Dollar. Der Inlandspreis für Heizöl zum aktuellen Zeitpunkt wird bei ca. -0,20 bis -0,45 Euro/100 l erwartet. Aktuell handeln 100 Liter Heizöl im Bundesdurchschnitt bei 63,7 Euro und das Preisniveau präsentiert sich nach wie vor vernünftig.

Doch Lockerungen: die Ergebnisse der OPEC+-Konferenz im Überblick

Aufgrund der durchaus überraschenden Entscheidung der OPEC+, die Produktionskürzungen im Mai und den folgenden Monaten nach und nach zu lockern, lohnt sich ein genauerer Blick auf die konkreten Beschlüsse umso mehr. Das Bündnis stellte eine Art Dreimonatsplan als Konsens des Meetings vor. Demnach sollen bis Ende Juli mehr als 2 Millionen B/T wieder zurück auf den Markt fließen. Im Mai und Juni ist vorerst je eine Menge von 350.000 B/T für den Markt angedacht. Im Juni kommen nochmal 450.000 B/T dazu. Zu diesen 1.15 Millionen B/T kommen dann noch die ausgesetzten Zusatzkürzungen Saudi-Arabiens hinzu. Das Königreich wird bis Juli gut 1 Millionen B/T zurück an den Markt bringen. Bisher hatte die Organisation Produktionskürzungen von 8 Millionen B/T angeordnet. Ende Juli wollen die Mitgliedsstaaten das Angebot nur noch 5,85 Millionen B/T verknappen.

Experten reagierten zunächst überrascht auf die Entscheidung der OPEC+, dessen Beschlüsse jedoch schon bei der letzten Konferenz für Verwunderung gesorgt hatten. Die Begründung der Organisation machte die Pläne dann jedoch größtenteils nachvollziehbar. Die Mitglieder rechnen kurz- und mittelfristig mit einer steigenden Ölnachfrage. Vor allem in den Sommermonaten soll der Bedarf an Kraftstoff durch den Flugverkehr und die Landwirtschaft angekurbelt werden. Ferner glaubt der Kreis an die Impfkonzepte der Länder und hofft daher auf eine baldige Erholung der Wirtschaft. Der Beschluss war teilweise aber auch interne Politik, da beispielsweise Abu Dhabi nicht mehr bereit war, Sonderregelungen für Staaten wie Kasachstan oder Russland zuzulassen.

Flugverkehr, Corona und Atomabkommen: viel Bewegung bei der Ölnachfrage

Der von der OPEC+ vermutete Trend bei der Ölnachfrage kann zum aktuellen Zeitpunkt nur teilweise bestätigt werden. Während der Flugverkehr Potenzial zeigt und Zahlen von Flightradar24, die im 7-Tagedurchschnitt zuletzt bei 78.129 Flügen pro Tag verzeichneten, den Optimismus weiter nähren dürften, dämpft Corona die Aufwärtskurve weiterhin. In Indien schießen die Infektionszahlen aktuell auf über 100.000 pro Tag und provozieren damit weitere Restriktionen. In Frankreich und Deutschland werden die Maßnahmen bereits wieder angezogen, während Großbritannien langsam zur Normalität zurückkehrt.

Zeitgleich intensivieren sich die Gespräche der USA mit dem Iran, das 2018 gekippte Atomabkommen wieder aufleben zu lassen. Die Biden-Regierung strebt einen deutlich liberaleren Kurs als die von Ex-Präsident Donald Trump an. Diese hatte das Bündnis vor drei Jahren mehr oder weniger von heute auf morgen aufgekündigt. Sondierungsgespräche seien laut Berichten bereits in vollem Gange. Die Verhandlungen stünden aber noch aus. Wenn die Sanktionen gegen den Iran gelockert werden würden, könnte dieser seine Ölproduktion bis auf 1,8 Millionen B/T anheben und wieder ordentlich am Markt mitmischen.

 

 

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