Roh- und Heizölpreise weiterhin auf Tiefständen

Schwache Nachfrageaussichten und gedämpfte Hoffnungen auf einen Corona-Impfstoff belasten die Stimmung an den Terminbörsen auch zur Wochenmitte.

 

Auf dem niedrigsten Stand seit fünf Wochen sind die Rohölpreise in diese Handelswoche gestartet. Was folgte, war eine steile Abwärtsbewegung. Inzwischen werden die Rohöl-Futures auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte Juni gehandelt. Zum ersten Mal seit fast drei Monaten kostet ein Barrel WTI weniger als 37 US-Dollar, während sich der Brent-Preis unterhalb von 40 US-Dollar bewegt. Bearish ist die Marktstimmung insbesondere wegen schwacher Nachfrageerwartungen. Noch bis ins nächste Jahr hinein rechnet man an den Terminbörsen mit einer weltweit niedrigen Nachfrage, die sich nur langsam von ihrem pandemiebedingten Einbruch erholen wird. Für zusätzliche Unruhe unter Anlegern und Analysten sorgte gestern der verschärfte Ton der USA gegenüber China. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Labor Day teilte US-Präsident Donald Trump seine Vorstellung einer Supermachtstellung der USA. In diesem Zuge ging er auf die Möglichkeit einer vollständigen wirtschaftlichen Entkopplung von China ein, wenn nötig durch Sanktionen und Zölle. Zwar sehen Marktteilnehmer in Trumps Äußerungen vor allem Wahlkampfrhetorik. Doch die Aussicht auf eine erneute Zuspitzung des US-chinesischen Handelsstreits sorgt für Verunsicherung an den Terminbörsen.

Nächstes OPEC-Mitglied senkt Verkaufspreise

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Saudi-Arabien seine Ölpreise für Oktober-Lieferungen deutlich senkt. Abnehmer in den USA und Europa erhalten saudi-arabisches Öl günstiger, Kunden in Asien profitieren von einem Abschlag um 1,40 Dollar. Marktteilnehmer sahen in der erneuten Preissenkung einen Hinweis auf die verhaltene Erwartungshaltung Saudi-Arabiens. Nun zieht ein weiterer OPEC-Mitgliedsstaat nach und senkt seine Verkaufspreise ebenfalls. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate werden ihr Rohöl laut Medienberichten in den nächsten Wochen günstiger verkaufen als bislang. Beide Preissenkungen verstärken den Eindruck einer weiterhin schwachen Nachfrage, der man offenbar mit niedrigen Preisniveaus begegnet.

Dämpfer für Impfstoff-Hoffnung

Nur zwischenzeitlich können Impulse wie Hurrikans über dem Golf von Mexiko vom derzeit bedeutendsten preisbildenden Faktor ablenken. Die Corona-Pandemie mit ihrem Einfluss auf Weltwirtschaft und Ölnachfrage steht weiterhin im Marktfokus. Hoffnung setzten Anleger und Analysten daher auf die Entwicklung eines Impfstoffs, auch wenn dieser erst in Monaten bereitgestellte würde. Entsprechend bullish bewertete man jede Meldung über Fortschritte in der Entwicklung und Testanwendung. Umso bearisher wirken allerdings Rückschläge wie der des Pharmaherstellers AstraZeneca. Wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Studienteilnehmers hat AstraZeneca seine Impfstoff-Tests nun unterbrochen. Damit wird die Entwicklung im Spätstadium auf Eis gelegt. An den asiatischen Börsen sorgte diese Meldung umgehend für Verluste.

Die Terminbörsen stehen folglich weiterhin unter dem Eindruck der überwiegend bearishen Impulslage. Beide Referenzsorten bewegen sich daher am Morgen im Bereich ihrer Dreimonatstiefs. WTI wird bei 36,82 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 39,84 US-Dollar. Die Heizölpreise erreichen seit Wochenstart täglich ein neues Mehrjahrestief. Gestern sackten sie um mehr als einen Euro ab und lagen nur noch knapp oberhalb von 42 Euro. Heute geben sie um einen weiteren Euro nach. Erstmals seit mehreren Jahren befinden sich die Heizölpreise damit nahe an der 41-Euro-Marke. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 41,16 Euro.

 

 

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