Rohölpreise erreichen am Morgen neue Viermonatshochs

Trotz schwacher Bestandsberichte aus den USA und neuer US-chinesischer Spannungen liegt der Marktfokus auf der Corona-Impfstoff-Hoffnung.

 

Fortschritte in der Corona-Impfstoffforschung stimmten Marktteilnehmer gleich zu Wochenstart optimistisch. Immer mehr Impfstoff-Kandidaten werden derzeit in der sogenannten Phase 3 an internationalen Probanden getestet. Die USA haben sich sogar schon einen Impfstoff gesichert. Wie gestern bekannt wurde, steht eine entsprechende Vereinbarung zwischen US-Behörden und einem deutsch-amerikanischen Forschungsduo. Gemeinsam forschen das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen BioNTech und der Pharma-Konzern Pfizer derzeit an möglichen Corona-Impfstoffen. Sobald einer davon einsatzbereit ist, erhalten die USA 100 Millionen Dosen. Anfang der Woche hatten BioNTech und Pfizer bereits eine Liefervereinbarung mit Großbritannien über 30 Millionen Dosen bekannt gegeben. Marktteilnehmer sehen hierin ein Zeichen dafür, dass die Impfstoff-Kandidaten auf einem guten Weg sind. Die Aussicht auf eine baldige Möglichkeit zur Eindämmung des Virus stützt die Rohölpreise in dieser Woche maßgeblich. Sie treibt die Rohölpreise auch heute wieder auf neue Viermonatshochs. Bearishe Impulse aus den USA und China geraten in den Hintergrund.

Auch DOE meldet deutlichen Anstieg der US-Rohölvorräte

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Vorräte an Rohöl und Destillaten gewachsen, während die Benzinbestände etwas zurückgegangen sind. Das geht aus dem gestern Nachmittag bekannt gewordenen Bestandsbericht des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) hervor. Damit stimmen die Einschätzungen des DOE in der Tendenz mit den vorangegangenen des American Petroleum Institute (API) überein. Hat das API einen Anstieg der Rohölvorräte um 7,5 Millionen Barrel gemeldet, sollen die Bestände laut DOE um 4,9 Millionen Barrel ausgebaut worden sein. Im Vorfeld hatten Analysten einen Rückgang der Rohölvorräte erwartet. Vor diesem Hintergrund enttäuschen beide Wochenreports. Dem DOE zufolge sind zudem die US-Bestände an Destillaten um 1,1 Millionen Barrel ausgebaut worden, was grundsätzlich als saisontypisch interpretiert wird. Angesichts des starken Anstiegs der US-Rohölvorräte geht der leichte Rückgang der Benzinbestände um 1,8 Millionen Barrel unter. Die Benzinnachfrage liegt weiterhin deutlich hinter ihrem Vorjahresniveau zurück. An den Wochenreports von API und DOE lässt sich somit der anhaltende Effekt der weltweiten Pandemiesituation ablesen.

USA ordnen Schließung eines chinesischen Konsulats an

Das US-Außenministerium hat die Schließung des chinesischen Konsulats in Houston angewiesen. Innerhalb von drei Tagen soll das Konsulat im US-Bundesstaat Texas geräumt werden. Zum Hintergrund erklärte das US-Außenministerium, Diplomaten müssten sich an die Gesetze des Gastlandes halten und dürften sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen. Zudem verwies das Außenministerium auf den Schutz amerikanischen geistigen Eigentums. Im chinesischen Außenministerium hält man die Schließung indes für eine „beispiellose Eskalation“ und fordert die USA auf, die Anordnung zurückzunehmen. Im Zuge der Corona-Krise wurde das Verhältnis zwischen den USA und China immer angespannter. Auf grundlegende Handelsstreitigkeiten folgte US-Kritik am Umgang von WHO und China mit dem Coronavirus. Jüngst wurden chinesische Hacker in den USA wegen Corona-Impfstoff-Spionage angeklagt.

Mit den US-Bestandsberichten und dem US-chinesischen Konflikt überwiegen an den Terminbörsen die bearishen Impulse. Dennoch steht die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff im Marktfokus. Entsprechend stellen die Rohölpreise am Morgen einen neuen Viermonatsrekord auf. WTI wird bei 41,98 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 44,35 US-Dollar. Nachdem die Heizölpreise gestern etwas zugelegt haben, geben sie heute wieder nach. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 47,20 Euro.

 

 

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