Rohölpreise gehen auf Zweiwochentiefs ins Wochenende

Noch gestern Vormittag stützten Streiks und Ölbestände die Rohölpreise. Die Corona-Infektion des US-Präsidenten sorgt jetzt für den freien Fall der Kurse.

 

Nahe ihren Dreiwochenhochs sind die Rohöl-Futures gestern in den Oktober gestartet. Waren die Preise an den Terminbörsen Anfang September noch eingebrochen, kletterten sie zur Monatsmitte um drei bis vier Euro. Auch der gestrige Handelstag begann für WTI und Brent mit einer Aufwärtsbewegung. Am Morgen nach dem Monatswechsel legten die Referenzsorten direkt zu. Besonderes Aufwärtspotenzial bestand für die Nordseesorte Brent, die wegen Streiks in Norwegen um mehr als einen US-Dollar pro Barrel teurer wurde. Aus dem Handel gingen die Referenzsorten WTI und Brent allerdings nur knapp oberhalb ihrer Eröffnungskurse. Am Freitagmorgen ist der bullishe Effekt von Streiks und rückläufigen US-Rohölvorräten vollständig verflogen. Die Rohölpreise orientieren sich steil abwärts und haben bereits mehr als einen US-Dollar auf ihre heutigen Eröffnungskurse verloren.

Unsicherheit nach Trumps Corona-Infektion

Nachdem seine Beraterin Hope Hicks positiv auf das Coronavirus getestet worden ist, sind auch US-Präsident Donald Trump und seine Frau mit dem Virus infiziert. Am Donnerstagabend gab Trump über Twitter zunächst bekannt, Hicks liege ein positiver Test vor und er selbst warte auf sein Testergebnis. Wenige Stunden später folgte ein weiterer Tweet, der die Infektion des US-Präsidenten und seiner Frau bestätigte. Beide würden umgehend in Quarantäne gehen. An den Finanz- und Rohstoffmärkten löste die Meldung von Trumps Corona-Infektion steile Kurseinbrüche aus. Der US-Leitindex Dow Jones gab umgehend um 400 Punkte nach und liegt derzeit 1,5 Prozent im Minus. Auch an den Terminbörsen reagieren Marktteilnehmer umgehend, was einen Einbruch der Rohölpreise um über einen US-Dollar zur Folge hatte. Anleger und Analysten sehen die Corona-Infektion Trumps als Hindernis für eine baldige Stabilisierung der US-Wirtschaft. Nicht nur wird die finale Phase des US-Wahlkampfs unberechenbar, auch die Abstimmung und Verabschiedung eines weiteren US-Konjunkturpakets könnte sich verzögern. Trumps Corona-Infektion wird das politische Geschehen in den USA in den nächsten Wochen maßgeblich prägen und damit auch die Kursverläufe an den internationalen Märkten.

Corona-Pandemie weiterhin im Marktfokus

Die pandemiebedingt schwache Ölnachfrage steht bereits seit Monaten im Marktfokus. Gemeinsam mit dem wachsenden Angebot aus OPEC-Ländern bildet der weltweit geringe Ölbedarf die Kernsorge unter Marktteilnehmern. Nun rückt die Corona-Infektion Donald Trumps die Pandemie noch stärker und voraussichtlich mittelfristig in den Fokus, verdrängt dabei andere Impulse. Entsprechend werden die Rohölpreise auch diese Handelswoche mit Verlusten abschließen. Es ist bereits die vierte verlustreiche aus fünf Wochen. Am Morgen orientieren sich die Rohölpreise abwärts. WTI wird bei 37,70 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 39,83 US-Dollar. Die Referenzsorten sind somit auf Zweiwochentiefs zurückgefallen. Nachdem die Heizölpreise Mitte September auf neue Mehrjahrestiefs gefallen sind, kletterten sie zuletzt in kleinen Schritten um etwa zwei Euro. Damit haben sie zwar Abstand auf ihre Tiefs gewonnen, doch im Mehrjahresvergleich befinden sich die Heizölpreise noch immer auf einem niedrigen Stand. Heute bewegen sie sich nahezu unverändert auf ihrem Niveau vom Vortag. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 42,10 Euro.

 

 

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