Rohölpreise mit Seitwärtstendenz auf Fünfmonatshochs

US-Bundesstaaten wie Arizona und Florida sind besonders betroffen von der Pandemie, doch melden nun den geringsten Anstieg der Neuinfektionen seit Monaten.

 

Nach einem verhaltenen Start in den Handelstag legten die Rohölpreise gestern bis Handelsschluss etwas zu. Um ungefähr 70 Cent kletterten WTI und Brent im Tagesverlauf. Damit schlossen sie den Handelstag auf Fünfmonatshochs ab. Seit Anfang März lag WTI nicht mehr so deutlich oberhalb von 72 US-Dollar, während der Brent-Preis erstmals seit fünf Monaten klar über die 45-US-Dollar-Marke stieg. Stützende Wirkung hatte zum einen die Zuspitzung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. In der vergangenen Woche hatten die USA vier iranische Öltanker und mehr als eine Million Barrel Kraftstoff beschlagnahmt, die auf dem Weg nach Venezuela gewesen waren. Zusätzlichen Aufwind erhielten die Rohölpreise von der Zusicherung Chinas, das Handelsabkommen mit den USA trotz des derzeit angespannten Verhältnisses einhalten zu wollen. Marktteilnehmer stimmt insbesondere optimistisch, dass China im August und September voraussichtlich zwanzig Millionen Barrel US-Rohöl kaufen wird. Zudem endete das technische Meeting der OPEC+ gestern mit einem bullishen Impuls.

OPEC+ halten Kürzungen zu 97 Prozent ein

In den vergangenen Wochen haben die Ölproduzenten der OPEC+ ihre Kürzungsquoten zu 97 Prozent eingehalten. Obwohl die Einhaltungsquote zwischenzeitlich sogar bei mehr als 100 Prozent lag, nehmen Marktteilnehmer die noch immer hohe Zahl positiv auf. Bis Ende Juli hatten die OPEC+ ihren Output um 9,6 Millionen Barrel pro Tag zurückgefahren. Anfang August entschied man sich für die Steigerung der Produktion und kürzte den Tagesoutput nur noch um 7,7 Millionen Barrel. Nach dem gestrigen technischen Meeting werden die OPEC+ in dieser Woche ihre künftige Produktionsstrategie festlegen. Grundlage der Entscheidung dürften sowohl die hohe Einhaltungsquote als auch die schwache Nachfrageerwartung sein. Marktteilnehmer haben vor allem Indien im Blick. Bei anhaltender Corona-Krise war die indische Nachfrage nach Dieselkraftstoff in der ersten Augusthälfte zwanzig Prozent geringer als noch in der ersten Julihälfte. Die ursprünglich erwartete, rasche Erholung der Ölnachfrage von der Corona-Krise ist bislang somit nicht erkennbar. Vielmehr stehen die Produzenten OPEC+ weiterhin unter Druck.

Weniger Neuinfektionen in einigen US-Bundesstaaten

Seit fast einem halben Jahr steht die weltweite Entwicklung der Corona-Krise im Fokus der Finanz- und Rohstoffmärkte. Sorge bereitete Marktteilnehmern insbesondere die sehr hohe Zahl der Neuinfektionen in den USA. Die besonders betroffenen US-Bundesstaaten Florida und Arizona melden jetzt allerdings den geringsten Anstieg der täglichen Corona-Neuinfektionen seit zwei bis drei Monaten. Doch US-weit bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf einem hohen Niveau. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden wurden in den USA 57.000 neue Infektionsfälle verzeichnet.

Mit Blick auf die anhaltende Corona-Krise und die bevorstehenden Beratungen der OPEC+ ist die Ausgangslage am Dienstagmorgen neutral. Die Rohölpreise orientieren sich seitwärts im Bereich ihrer Fünfmonatshochs. WTI wird bei 42,81 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 45,37 US-Dollar. Die Heizölpreise liegen heute weiterhin nahezu unverändert im Bereich ihrer Vorwochenniveaus. Seit etwa zehn Tagen ist ihr Bewegungsspielraum hierzulande gering. Im Deutschlanddurchschnitt orientierten sich die Preise ohne starke Schwankungen knapp oberhalb der 46-Euro-Marke seitwärts. Heute geben sie im Vergleich zum Vortag nun geringfügig nach. Um durchschnittlich zehn Cent gehen sie zurück. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 45,90 Euro.

 

 

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