Rohölpreise orientieren sich trotz DOE-Report abwärts

Nur kurzfristig stützte der Bestandsreport des US-Energieministeriums die Rohölpreise. Am Morgen setzen sich Angebots- und Nachfrageprognosen durch.

 

Pandemiebedingt ist die Ölnachfrage im Frühjahr eingebrochen. In den vergangenen Monaten konnte sie sich nur langsam erholen. Bis heute steht die schwache Nachfrage daher im Marktfokus. Anleger und Analysten beobachten genau, wie sich der weltweite Ölbedarf entwickelt. Auf der Angebotsseite hat man insbesondere die Produktionsstrategie der OPEC+ im Blick. Die Gruppe der Ölproduzenten hatte ihren Output seit Mai zunächst um 9,7 Millionen Barrel pro Tag zurückgefahren. Im August entschied man sich dann, erste Lockerungen einzuleiten. Seitdem drosseln die OPEC+ ihre Tagesproduktion um nur noch 7,7 Millionen Barrel. Und zum Jahreswechsel sind weitere Lockerungsmaßnahmen geplant. Vorgesehen ist, dass die OPEC+ ihre Produktion ab Januar 2021 nur noch um 5,8 Millionen Barrel pro Tag kürzen werden. Zudem werden bei anhaltendem Waffenstillstand in Libyen zusätzliche Ölmengen erwartet. Das OPEC-Mitglied ist vom laufenden Kürzungsabkommen ausgenommen und könnte seinen Output noch in diesem Jahr um mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag steigern. Die Aussicht auf ein in den nächsten Monaten wachsendes Ölangebot dämpft die Marktstimmung auch heute. Am Donnerstagmorgen haben selbst die bullishen Bestandsdaten des US-amerikanischen Department of Energy (DOE) keine maßgeblich stützende Wirkung mehr.

DOE verzeichnet Abbauten in allen Bestandskategorien

In der vergangenen Woche sind die US-weiten Ölvorräte kategorieübergreifend verkleinert worden. Das geht aus dem gestern Nachmittag veröffentlichten Wochenbericht des DOE hervor, der damit etwas bullisher ausfällt als der Vortagesreport des American Petroleum Institute (API). Ging das API von einem geringfügigen Anstieg der US-Rohölbestände um 690.000 Barrel aus, meldete das DOE einen Rückgang um 1,6 Millionen Barrel. Noch immer liegen die US-Ölimporte deutlich hinter ihrem Vorjahresniveau zurück. In der Berichtswoche haben die USA nach Einschätzung des DOE ein Viertel weniger importiert als im Vergleichszeitraum 2019. Der pandemiebedingte Einbruch der US-Importaktivität begünstigt das anhaltend niedrige Niveau der dortigen Ölvorräte.

Auch die Bestände an Ölprodukten sind laut DOE in der Vorwoche zurückgegangen. Das API hatte am Dienstagabend einen Rückgang der US-Benzinvorräte um 7,7 Millionen Barrel gemeldet und damit die Erwartungen von Analysten übertroffen. Dem DOE zufolge sind die Benzinvorräte zwar nur um vier Millionen Barrel gesunken. Doch nach Auslaufen der sommerlichen Fahrsaison wird jeder Rückgang der Kraftstoffbestände bullish interpretiert. Verstärkt wird dieser Effekt durch die parallelen Abbauten bei den US-Vorräten an Destillaten. Hier hatte bereits das API einen Rückgang um 2,1 Millionen Barrel verzeichnet. Laut DOE sind die US-weiten Bestände an Destillaten sogar um 3,4 Millionen Barrel verkleinert worden. Insgesamt fällt der dieswöchige Bestandsreport des DOE damit bullish aus, was die Rohölpreise gestern zu Handelsschluss zunächst stützte. Diese Wirkung ist am Morgen verflogen. Die Rohöl-Futures orientieren sich unterhalb ihrer gestrigen Schlusskurse abwärts. WTI wird bei 39,54 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 41,40 US-Dollar. Die Heizölpreise lagen zu Wochenbeginn auf Zweiwochenhochs. Am Dienstag sackten sie dann allerdings direkt um einen Euro ab. Auf diesem Niveau halten sich die Preise hierzulande seitdem. Sie befinden sich zwischen Zweiwochenhochs und Mehrjahrestiefs. Im Vergleich zum Vortag klettern die Heizölpreise um wenige Cent. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 41,62 Euro.

 

 

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