Rohölpreise stellen neuen Viermonatsrekord auf

An den Terminbörsen ist die Impulslage bullish. Die Corona-Impfstoffforschung macht Fortschritte, während sich der Bürgerkrieg in Libyen zuspitzt.

 

Mit einer Abwärtsbewegung sind die Rohölpreise gestern in die neue Handelswoche gestartet. Um mehr als 30 Cent haben sie im Laufe des Montagvormittags nachgegeben. Bei weiterhin hoher Zahl der weltweiten Corona-Neuinfektionen ist die Skepsis gegenüber der bevorstehenden Produktionssteigerung der OPEC+ groß. Ab August werden die Produzenten der OPEC+ ihren Output voraussichtlich nur noch um 7,7 Millionen Barrel pro Tag zurückfahren statt wie bislang um 9,6 Millionen Barrel pro Tag. Anleger und Analysten gehen davon aus, dass nicht die gesamten zusätzlichen zwei Millionen Barrel pro Tag am Markt ankommen werden. Einige Produzenten gleichen zunächst ihre Mehrproduktion der vergangenen Monate aus, fahren ihren Output im August also nicht hoch. Zudem haben andere Produzenten wie Russland angekündigt, die Produktionssteigerung nur für den inländischen Markt zu nutzen. Russlands Energieminister Alexander Nowak erklärte daher jüngst, er erwarte in den nächsten Wochen keine merklichen Preisschwankungen an den Terminbörsen. Ausschlaggebend für den tatsächlichen Effekt der Produktionssteigerungen wird die Nachfrageentwicklung sein. Zuversicht wecken Fortschritte bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff.

Universität Oxford startet Impfstoff-Tests in drei Ländern

Vorsichtiger Optimismus herrscht unter Experten, nachdem in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet der aktuelle Forschungsstand von zwei potenziellen Corona-Impfstoffen veröffentlicht wurde. Sowohl eine Studie chinesischer Forscher als auch eine Studie der Universität Oxford liefert demnach positive Ergebnisse. Die chinesische Forschungsgruppe hat ihren Impfstoff-Kandidaten an über 500 Probanden in Wuhan getestet und Reaktionen des Immunsystems beobachtet. Nach Einschätzung der regionalen Seuchenschutzbehörde befindet sich die Impfstoffentwicklung noch im Frühstadium und steht vor seiner Anwendung im Rahmen einer umfassenden Phase-3-Studie. Für den Impfstoff-Kandidaten der Universität Oxford ist die Phase 3 indes schon angelaufen. In Großbritannien, Südafrika und Brasilien wird er an Tausenden Studienteilnehmern getestet. Vorangegangen waren Untersuchungen an mehr als 1.000 Probanden in Großbritannien. Ergebnisse der Phase-3-Studie werden für Herbst erwartet. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt man sich zuversichtlich und wertet die bisherigen Studienergebnisse als „gute Nachrichten“. WHO-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan geht davon aus, dass ab Mitte 2021 ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird.

Ägyptisches Parlament genehmigt Militäreinsatz in Libyen

Einstimmig hat das ägyptische Parlament seine Genehmigung für Kampfeinsätze außerhalb Ägyptens erteilt. Wie Staatsmedien berichten, dient das Mandat der „nationalen Sicherheit in westlicher Richtung“ sowie der Verteidigung gegen Milizen und Terrorismus. Die Zustimmung des Parlaments ermöglicht Ägypten einen Militäreinsatz in Libyen, wo die Konfrontation mit türkischen Einheiten droht. Während die Türkei die libysche Regierung in Tripolis unterstützt, steht Ägypten auf der Seite der sogenannten Libyschen Nationalarmee unter Führung von Chalifa Haftar. Der anhaltende Machtkampf hat die Ölproduktion Libyens in den vergangenen Monaten einbrechen lassen. Sollte sich der Konflikt durch militärische Schritte Ägyptens zuspitzen, bleiben Produktion und Ölexporte voraussichtlich für längere Zeit auf dem Tiefstand.

Die Fortschritte in der Impfstoffforschung und die mögliche Zuspitzung des libyschen Bürgerkriegs stützen die Rohölpreise am Morgen. Beide Referenzsorten haben in den ersten Handelsstunden bereits um mehr als 70 Cent zugelegt. WTI wird bei 41,41 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 43,99 US-Dollar. Damit bewegen sich die Rohölpreise auf neuen Viermonatshochs. Die Heizölpreise fallen heute auf ein neues Siebenwochentief. Seit Anfang Juni lagen sie hierzulande nicht mehr so deutlich unterhalb der 47-Euro-Schwelle. Sind die Preise zum Wochenende bereits um etwa 80 Cent abgesackt, geben sie heute durchschnittlich um weitere 25 Cent nach. Aktuell kosten 100 Liter Heizöl im Deutschlanddurchschnitt 46,31 Euro.

 

 

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