Seitwärtsbewegung der Rohölpreise nahe Viermonatshochs

Zwei Wochen in Folge sind die US-Rohölvorräte zurückgegangen, jetzt sind die wieder gestiegen. Doch das hat zunächst keinen Effekt auf die Ölpreise.

 

Auf Viermonatshochs haben die Rohölpreise den gestrigen Handelstag beendet. WTI lag zu Handelsschluss weit über der Marke von 42 US-Dollar, während Brent oberhalb von 44 US-Dollar aus dem Handel ging. Aufwärtspotenzial bestand angesichts positiver Meldungen über die Entwicklung potenzieller Corona-Impfstoffe. Die Forschungsstände zweier Impfstoff-Kandidaten waren in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht und mit Optimismus aufgenommen worden. Einen zusätzlich stützenden Effekt hatte die Entscheidung des ägyptischen Parlaments, Militäreinsätze im Nachbarland Libyen zum Zweck der nationalen Sicherheit zuzulassen. Sollte sich der Bürgerkrieg dadurch zuspitzen, wäre auch die bereits stark geschwächte Ölindustrie Libyens betroffen. Am Morgen können sich die Rohölpreise im Bereich ihrer gestrigen Schlusskurse nahe Viermonatshochs halten. Dabei ist die Ausgangslage am Mittwochmorgen bearish. Das American Petroleum Institute (API) lieferte gestern Abend einen enttäuschenden Bestandsreport. Doch Marktteilnehmer scheinen zunächst abzuwarten, wie der Vergleichsbericht des US-Energieministeriums am Nachmittag ausfallen wird.

USA: Rohölvorräte laut API deutlich gewachsen

Zwei Wochen in Folge waren die US-weiten Rohölvorräte überraschend und deutlich zurückgegangen. Marktteilnehmer sahen darin bereits Anzeichen für eine langsame Normalisierung der Versorgungslage. Doch in der Vorwoche fand der Abbau-Trend offenbar sein Ende. Wie aus den gestern bekannt gewordenen Einschätzungen des API hervorgeht, sind die US-Rohölbestände zuletzt um 7,5 Millionen Barrel ausgebaut worden. Sollte das US-Energieministerium diese Zahl am Nachmittag bestätigen, wäre es der stärkste Anstieg der US-Rohölvorräte seit Mai. Keine Überraschung hielt indes die Entwicklung der Benzinvorräte bereit. Sie sind laut API in der Berichtswoche entsprechend Analystenerwartungen um zwei Millionen Barrel verkleinert worden. Marktteilnehmer warten nun auf die Vergleichsdaten des US-Energieministeriums, die voraussichtlich ab dem Nachmittag die Preisrichtung vorgeben werden.

Saudi-Arabien: Ölverbrauch wohl mit Rekord im Sommer

Während die Corona-Pandemie die weltweite Ölnachfrage seit einigen Monaten belastet, könnte sie den Ölbedarf Saudi-Arabiens im Sommer auf ein Rekordhoch treiben. Analysten des Nachrichtensenders Bloomberg gehen davon aus, dass die Einwohner Saudi-Arabiens diesen Sommer pandemiebedingt vorrangig im Inland verbringen werden. Entsprechend groß wird der Strombedarf insbesondere für den Betrieb von Klimaanlagen sein. Zur Stromerzeugung müsste Saudi-Arabien entweder Gas importieren oder Öl einsetzen. Saudi-Arabiens Energieminister Abdulasis bin Salman hatte bereits in der Vorwoche erklärt, der saudi-arabische Ölbedarf werde im August um mindestens 500.000 Barrel pro Tag steigen. Diese Einschätzungen stimmen Marktteilnehmer zuversichtlich, dass die bevorstehende Produktionssteigerung der OPEC+ von einem Verbrauchsanstieg abgefangen und keine Auswirkungen auf die Ölexporte haben wird.

Am Morgen orientieren sich die Rohölpreise im Bereich ihrer Viermonatshochs. WTI wird bei 41,63 US-Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet 44,07 US-Dollar. Die Heizölpreise sind in den vergangenen Tagen auf Siebenwochentiefs abgesackt. Erstmals seit Anfang Juni rutschten sie unter die Schwelle von 47 Euro. Heute legen die Preise hierzulande um durchschnittlich fast 1,50 Euro zu und nehmen Kurs auf die 48-Euro-Marke. Im Deutschlanddurchschnitt kosten 100 Liter Heizöl aktuell 47,72 Euro.

 

 

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