Der Ölpreis-Wochenrückblick für KW 42

Wir informieren Sie jede Woche in einem kurzen Rückblick über alle Faktoren, die den Ölpreis im Laufe der Woche beeinflusst haben. Außerdem präsentieren wir Ihnen eine statistische Übersicht mit allen Preisveränderungen zu Brent, WTI und Heizöl in Deutschland.

Wichtige Wochen-Ereignisse

  • Der Sprecher des irakischen Ölministeriums Asim Jihad, hat die Ölpreise von 80 Dollar als einen „positiven Indikator bezeichnet. Jihad zielt damit auf die positive Entwicklung nach der Hochphase der Corona-Pandemie ab. Als Herausforderung sieht er jedoch langfristige Stabilität in den Markt zu bringen.
  • Erstmals seit Juni kommt in die Verhandlungen zum Atomabkommen wieder Bewegung. Am Donnertag soll in Brüssel eine Zusammenkunft zwischen Diplomaten aus dem Iran und der EU stattfinden. Es soll sondiert werden, wie die seit beinahe fünf Monaten ausgesetzten Gespräche fortgesetzt werden können. Vor Kurzem war EU-Unterhändler Enrique Mora nach Teheran geflogen, um den Iran wieder an den Verhandlungstisch zu holen.
  • Der neue Präsident der Islamischen Republik Ebrahim Raisi zeigt sich offen für neue Gespräche. Gleichzeitig betont Raisi jedoch, dass die USA ihre Sanktionen gegen den Iran fallen lassen sollen. Seit jeher sind die Aufhebung der Sanktionen eine Grundvoraussetzung für den Iran, um dem Abkommen wieder beizutreten. Die Verbote der USA richten sich vor allem gegen die Ölindustrie und wurden im Zuge der Aufkündigung der Vereinbarung 2018 durch Donald Trump eingeführt. Sollten diese fallen, könnte der Iran seine Produktion um bis zu 1,3 Mio. B/T steigern.
  • Es deutet sich ein milliardenschwerer Deal zwischen China und den USA zur Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) an. Mindestens fünf Unternehmen aus China sollen sich in Verhandlungen mit den USA befinden, darunter auch die staatliche Sinnopec und die China National Offshore Oil Companx. Für Amerika sitzen die Cheniere Energy und Venture Global am Verhandlungstisch. Im Raum steht eine Summe von 10 Milliarden Dollar.
  • Die 23 OPEC+-Mitglieder haben es auch im September verfehlt, die geplanten Förderanhebungen voll umzusetzen. Zum Vergleich: Im Juli, vor den schrittweisen Anhebungen um 400.000 B/T pro Monat, hatte die Quotenerfüllung bei 109 Prozent gelegen. Im August lag die Quotenerfüllung dann bei 116 Prozent. Im September ist sie auf 115 Prozent gesunken.
  • Die chinesische Regierung sieht sich aufgrund dieses eigenen Angaben zufolge „irrationalen Aufwärtstrend“ wohl gezwungen, auf dem Kohlemarkt zu intervenieren. Laut chinesischen Rechts kann das Kabinett und die Regionalregierungen Grenzen für Gewinnraten oder die Preise wichtiger Güter selbst festlegen und somit den Markt regulieren.
  • Das Datenanalyseunternehmen Refinitiv Eikon meldet für Singapur, eine Schlüsselregion der asiatischen Raffinerierentabilität, eine Marge von 8 Dollar pro Barrel. In Nordwesteuropa haben die Margen mit 9 Dollar ihren höchsten Stand seit April 2020 erreicht. Die Margen an der US-Golfküste haben sich mit 14 Dollar beinahe verdreifacht. Als Hauptfaktor ist die größere Gewinnspanne bei Gasoil zu nennen. Diese ist um etwa 60 Prozent gestiegen.
  • Experten gehen davon aus, dass die Raffinerieaktivität im Winter weiter steigen wird. Länder wie Indien, Südkorea, Taiwan und Japan werden ihre Verarbeitungsmengen erhöhen. Konkret gehen die Analysten von einer Rohölverarbeitung in Asien im vierten Quartal von 29,5 Mio. B/T aus. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 29,1 Mio. B/T gewesen, während 2019 im vierten Quartal 30,0 Mio. B/T Rohöl.
  • API-Daten: Rohölvorräte +3,3 Millionen Barrel (erwartet +0,7 Millionen Barrel), Destillatbestände -3,0 Millionen Barrel (erwartet 0,9 Millionen Barrel), Benzinbestände -3,5 Millionen Barrel (erwartet -1,1 Millionen Barrel)
  • DOE-Daten: Rohölvorräte -0,4 Millionen Barrel, Destillatbestände -3,9 Millionen Barrel, Benzinbestände -5,4 Millionen Barrel.

Marktlage und Prognose

Auch wenn die Ölpreise zur Mitte der Woche nachlassen, bleibt das Niveau am Markt hoch. Auf der Angebotsseite gibt es Seiten der OPEC+ keine neuen Tendenzen, ob die Produktionsquoten in den letzten beiden Monaten des Jahres eventuell doch noch angehoben werden könnten. Die Meldung, dass einige Mitglieder der Allianz nicht mit den vereinbarten Quoten hinterherkommen, spricht nicht gerade für eine umfangreiche Erhöhung der Förderung. Positive Signale sind jedoch erstmals seit Juli von den Verhandlungen zum Atomabkommen zu vernehmen. EU-Unterhändler Enrique Mora scheint mit seinem Besuch im Iran etwas angestoßen zu haben. Das lassen die beinahe versöhnlich wirkenden Aussagen von Irans Präsidenten Ebrahim Raisi zumindest vermuten. Dieser kann sich eine Rückkehr an den Verhandlungstisch vorstellen. Im Sommer klang das noch anders. Dass es 2021 iranisches Öl am Markt geben wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Die USA müsste ihre Sanktionen gegen den Islamischen Staat fallen lassen. Dafür gibt es aber seit Verhandlungsbeginn noch keine konkreten Anzeichen.

Für die Marktteilnehmer wird es daher ums Ausharren der aktuellen Energiekrise gehen. Im Spannungsfeld von Öl-, Kohle-, und Gasmarkt werden die Preise auf allen drei der Märkte wohl noch bis 2022 hinein auf einem hohen Niveau bleiben. Zahlreiche Analysten gehen sogar davon aus, dass der Rohölpreis am Ende des Jahres bei 100 Dollar liegen könnte. Anderen fehlt für so eine Prognose jedoch eine echte Basis. Klar ist, dass vor allem die Entwicklung bei den Gaspreisen, an denen sich die Ölpreise stark orientieren, mit entscheiden wird. Nachdem Russlands Präsident Vladimir Putin baldige Erdgas-Exporte nach Europa in Aussicht gestellt hatte, wird immer klarer, dass diese an Bedingungen geknüpft zu sein scheinen. Russland hofft aufgrund der Notlage die Nord Stream 2 Pipeline von Deutschland und der EU genehmigt zu bekommen. Über die alten Ölwege wäre der Export für Russland wirtschaftlich kaum rentabel. Nord Stream 2 muss jedoch sehr hohe Anforderungen erfüllen. Erst dann wird durch diese Pipeline Öl fließen können.

Veränderungen der Notierungen (18. -21. Oktober)

Brent: 85,77 USD/B; 84,40USD/B; 84,69 USD/B; 85,46 USD/B

WTI: 83,52 USD/B; 82,92 USD/B; 82,05 USD/B; 83,24 USD/B

Heizöl (im Bundesdurchschnitt): 91,00 Euro/100 l; 90,30 Euro/100 l; 90,50 Euro/100 l; 90,90 Euro/100 l

Die mobene Unternehmensgruppe